Berichte -> 200 km Brevet Wachtendonk 2007

Kenndaten zum Event
Veranstaltungstag: Sa, 03.03.07
Veranstaltungsort: Wachtendonk
Distanz in km offiziell / lt. Aufzeichnung: 200 / 200 (Umwege rausgerechnet)
Höhenmeter offiziell / lt. Aufzeichnung: - / 495
HP des Veranstalters: -

Es ist 9 Uhr. Mein Bruder Frank (@frankyjogger) und Frank W. (@fwo) stehen mit mir und schätzungsweise 100 weiteren Radlern am Sportplatz in der Wankumer Straße in Wachtendonk und warten auf den Start der (für uns) ersten Veranstaltung des Jahres, gleichzeitig die erste Teilnahme an einem Brevet überhaupt.

Es ist nasskalt bei knapp 8° C. Die Wetteraussichten sind alles andere als rosig, es sind Regen und Wind vorhergesagt. Folglich hat fast jeder der Umstehenden entsprechend vorgesorgt. Übergezogene Regenjacken, lange Handschuhe, Unterhelmmützen bzw. HAD-Tücher und Überschuhe sehe ich allenthalben, vereinzelt sogar Regenhosen.

Beim Blick in die Runde erkenne ich einige bekannte Gesichter aus der RTF-Szene. Vorwiegend die Teilnehmer aus dem Forum von rtf-radmarathon.de, nämlich @jedrik, @schlusslicht, @bergfloh und @passadore.

Für mich als Brevet-Neuling ist natürlich auch interessant zu sehen, mit welchem Equipment die Fahrer angerollt sind. Es sind einige Liegeradler vertreten, eines davon sogar vollverkleidet, und auch einige Tourenräder. Der überwiegende Teil fährt natürlich auf Rennrädern. Mit Frontbeleuchtung sind die meisten ausgerüstet, größtenteils gespeist über Nabendynamos. Mein Winterrad habe ich so belassen, wie ich es den ganzen Winter bisher genutzt habe. Also versehen mit Schutzblechen und der batteriebetriebenen Beleuchtungs-Kombination Sigma Mirage / Mirage X mit Nipack-Akku. Bis schätzungsweise 18:30 Uhr ist es hell genug, dass auf Licht verzichtet werden kann und bis dahin sollten wir eigentlich im Ziel sein. Bei einem angenommenen Durchschnittstempo von 25 km/h auf dem flachen Kurs wären wir 8 Stunden Netto unterwegs und hätten somit 90 Minuten Zeit für Pausen. Allerdings sollte diese Hochrechnung gründlich über den Haufen geworfen werden ...

Auf etlichen Vorbauten sind GPS-Geräte montiert. Da Brevets nicht ausgeschildert sind, ist ein GPS-Gerät ein willkommenes Hilfsmittel, sofern ein Track für die Strecke zur Verfügung steht. Auch ich habe mein GPS-Gerät, einen einfachen Garmin Geko 201, dabei. Das Gerät kann zwar keine Karten darstellen, steht den anderen Modellen in Bezug auf Anzeige vom PC überspielter Tracks und der Aufzeichnungsmöglichkeit der gefahrenen Route aber nicht nach. Hermann stellt in seinem Bericht zum Wachtendonk-Brevet 2006 neben der Streckenskizze auch einen GPS-Track zur Verfügung, den ich auf den Geko überspielt habe. Nach Aussage von Michael Koth, dem Brevetausrichter, soll die diesjährige Strecke nahezu unverändert sein.

1. Part der Wegebeschreibung

Wie finden die Fahrer ohne GPS-Gerät die Strecke? Nun, neben der Kontrollkarte, die zur Aufnahme von Stempel an den Kontrollstellen dient, haben wir eine recht detaillierte Wegebeschreibung über 2 1/2 DIN A4-Seiten und zusätzlich einen auf zwei DIN A4-Seiten kopierten Kartenauszug erhalten. In letzterem ist zwar nicht die Strecke eingezeichnet, es sind aber die größeren Ortschaften, die durchfahren werden, markiert.

Die Wegebeschreibung, wer sie denn nutzen will, muss natürlich irgendwo untergebracht werden. Die Beschreibung an Abzweigungen aus der Trikottasche zu fingern, kann nicht Sinn sein. Idealerweise lassen sich die Notizen in einer auf dem Klappdeckel einer Lenkertasche aufgesetzten Kartentasche wasserdicht verstauen.

 

Es ist 9:03 Uhr. Michael kommt angerollt, setzt sich an die Spitze und gibt Instruktionen. Unter anderen, dass die Kontrollkarte letztmalig an der ARAL-Tankstelle im Ort anzustempeln und anschließend in einen Briefkasten einzuwerfen ist.

Jetzt geht es los, aber Michael schert nach 200 m rechts raus, weil sein Tacho nichts anzeigt. Das Feld rollt natürlich weiter und muss bereits nach wenigen Kilometern komplett kehrt machen, da falsch abgebogen. So ist das, wenn der Chef vorne die Richtung nicht vorgibt!

Die vorgegebene Brevet-Route führt uns zunächst in südöstliche Richtung, überquert die Autobahn A40 und anschließend an einer Ampelanlage die B221. War das Tempo zunächst gemächlich, hat es nun an- und das Feld dadurch etwas auseinandergezogen. Schätzungsweise 30 Fahrer kommen noch bei Grün über die Ampel, der Rest muss bei Rot stoppen. Von unserer "internen" 3er-Gruppe bin ich als einziger vorne und nehme daher auf dem folgenden, leicht ansteigenden Abschnitt Tempo raus, um auf die beiden Franks zu warten. Wir hatten vereinbart, auf jeden Fall zusammenzufahren. Die Gruppe vor mir entfernt sich zusehends, ungefähr 50 m voraus ist aber noch ein einzelner Radler. Es folgen einige scharfe Kurven und es kommt, was kommen muss. Die Gruppe ist von mir nicht mehr zu sehen und an einem Abzweig, sinnigerweise mit "alle Ziele" bezeichnet, fährt mein Vordermann unbeirrt geradeaus. Ich natürlich hinterher, in der Annahme, er habe noch einige um die letzten Ecken huschen sehen. Nach einer kurzen 10%-Abfahrt stehen wir in Hinsbeck an der Ampel. Von hinten kommen noch rund 10 Fahrer, darunter mein Bruder und wir schauen uns alle ratlos an. Ein Blick in die Wegebeschreibung offenbart uns, dass wir dem Abzweig "alle Ziele" hätten folgen sollen. Also kehrt marsch, den Anstieg wieder hinauf und der offiziellen Route folgen.

War ich vor dem Brevet der Meinung, bei 100 Teilnehmern würden sich einige unterschiedlich starke Gruppen mit jeweils wenigstens einem orts- oder streckenkundigem finden, und daher sowohl Studium der Wegebeschreibung als auch Zuhilfenahme des GPS-Gerätes unnötig sein, kommen mir jetzt die ersten Zweifel. Auf den 20 km ab Wachtendonk bis hierhin habe ich zudem mit einigen Fahrern gesprochen und festgestellt, dass, so wie wir, sehr viele Novizen unterwegs sind. Und einige Kurven weiter wird die ursprüngliche Planung vollständig über den Haufen geworfen. @fwo steht am Straßenrand und behebt einen Plattfuß am Hinterrad. Er staunt nicht schlecht, dass wir von hinten kommen, freut sich aber, dass wir wieder zusammen sind. Als der Defekt behoben ist, sind wir natürlich die Letzten.

Jetzt wird es Zeit, den Geko zu aktivieren. Hermanns Trackaufzeichnung des 2006er-Brevets mit 4530 Datenpunkten habe ich unverändert übernommen. Da ein Track aber nur 500 Datenpunkte enthalten kann, sind auf dem Gerät 10 Tracks gespeichert. Abgesehen von der Anfahrt zum Marathon in Herne habe ich das Gerät bisher nur zur Trackaufzeichnung, also eher passiv, genutzt.

Einige Kilometer weiter befinden wir uns am Ende des ersten Track und ich bin der irrigen Meinung, dass wir uns verfahren haben. Wir kehren also um, fahren gut 500 m bis ich endlich das Problem erkenne und den nächsten Track lade. Das hat uns wieder einige Minuten gekostet. Ab jetzt läuft es GPS-mäßig aber einwandfrei. In Schaag und kurz vor Brüggen weichen wir auf Empfehlung von @fwo, der sich hier bestens auskennt, von der vorgegebenen Route leicht ab und fahren interessantere Passagen. Unter anderen auch durch das 1240 Hektar große Gebiet des ehemaligen NATO-Munitionsdepots Brüggen-Bracht, dem seinerzeit größten Munitionsdepot Westeuropas, das von 1952 bis 1996 von der britischen Rheinarmee als militärisches Speergebiet genutzt wurde. Auf den teilweise von Wällen umsäumten, gut geteerten Wegen finden wir auch ein wenig Schutz vor dem Wind, der deutlich zunimmt und uns aus südwestlicher Richtung entgegenbläst. Der Regen hält sich noch vornehm zurück.

Kurz darauf passieren wir die deutsch-niederländische Grenze und in Swalmen laufen wir an einer Kreuzung auf @jedrik auf, die alleine unterwegs ist und gerade mit ihrem GPS-Gerät kämpft. Dem traut sie aber offensichtlich mehr als uns, denn statt sich uns anzuschließen und der Hauptstrasse zu folgen, fährt sie geradeaus in eine Nebenstrasse. Wie ich später vernehme, hatte auch sie einen Platten und war deshalb ebenfalls weit zurück. Wir sollten sie übrigens heute nicht wiedersehen. In Roermond queren wir die Maas. Es regnet mittlerweile heftig und der Wind weht hier auf der Brücke von links kommend so stark, dass wir auf dem breiten, rechtsseitigen Geh-/Radweg mit gehörigem Abstand hintereinanderfahren. Zum Ausbalancieren des Rades ist eine übermäßige Schräglage in Richtung des Windes notwendig. Ich muss unwillkürlich an die Sprintwertungen der imagic-Liga denken, wo Beginn/Ende der Wertungsbereiche durch manipulierte Schräglagen gekennzeichnet sind. Geradezu abenteuerlich wird es, als uns auf der langen Brücke einige LKWs überholen und kurzfristig Windschutz bieten, der dann schlagartig abreißt.

Einige Kilometer weiter meldet sich @fwo. Sein HR verliert wieder Luft. Zur Reparatur suchen wir Unterschlupf in einem überdachten Part eines Firmengebäudes. Mittlerweile sind wir gut 3 Stunden unterwegs und haben knapp 61 km absolviert. Vom 25er-Schnitt sind wir weit entfernt und auch das Verhältnis Brutto/Netto sieht gar nicht gut aus. Wir sind trotzdem guter Stimmung. Warum eigentlich? Die Temperatur ist mittlerweile auf 6° C gesunken, trotz Neopren-Überschuhen gibt es nasse Füße und die angeblich wasserdichten Tchibo-Handschuhe sind längst durch. Und bei den Windverhältnissen müssen wir schon ziemlich kämpfen, um vorwärts zu kommen. Andererseits wissen wir aber auch, dass es irgendwann wieder ostwärts geht und dann sollte der Wind unser Verbündeter sein.

In Heythuysen steuern wir eine Tankstelle an. @frankyjogger und ich ziehen uns aus dem Automaten ein Paar der extrem dünnen Folienhandschuhe, wie sie an fast allen Tankstellen angeboten werden. Diese tragen wir dann unter den Windstopper-Handschuhen und versprechen uns den Aufbau einer zusätzlichen Isolationsschicht. Tatsächlich lässt das Kältegefühl an den Fingern im weiteren Verlauf der Tour etwas nach. Oder ist dies nur Einbildung?

Kurz vor der Kontrolle in Nederweert fahren wir auf @passadore auf. Sein Kumpan @bergfloh ist aber nicht in Sicht. Am Marktplatz in Nederweert gibt es mehrere Möglichkeiten, einen Stempel zu ergattern. Wir nutzen die erste Gelegenheit, nämlich dort, wo einige Fahrräder an der Hauswand eines Geschäftes lehnen. Es ist 13:20 Uhr und der Tacho zeigt knapp 80 km. Laut Wegebeschreibung sind es bis Neederweert 73 km, Kontrollschluss ist um 13:52 Uhr. Insgesamt haben wir bis hierhin also Umwege von rund 7 km eingelegt. Wahrscheinlich sogar mehr, denn mein Tacho ist mit einem angenommenen Radumfang von 2084 mm eher konservativ eingestellt.

Eine kurze Prüfung der max. Kontrollzeiten zeigt übrigens, dass diese linear aus dem Zeitlimit für das Brevet errechnet werden. Normalerweise sind nämlich folgende Limits üblich:

Warum muss bei einem 600er-Brevet im Schnitt schneller gefahren werden als bei einem 200er?

Wir halten uns nicht lange auf und fahren zügig weiter. Bäckereien (aus einer kommt gerade der @bergfloh mit einem größeren Baguette), Imbissbuden, etc. lassen wir rechts und links liegen, da ausreichend versorgt. Am Start befanden sich etliche Riegel und 2 Bananen in meinen Trikottaschen, im wasserdichten Ortlieb-Saddlebag waren 4 Schwarzbrote verstaut und in den zwei Flaschenhaltern jeweils 0,7 l-Flaschen mit Wildfruchttee untergebracht. Die Kollegen waren ähnlich bestückt, @frankyjogger hatte zusätzlich Ötztaler Kraftkugeln für uns eingesteckt und @fwo noch schnell einen Reiskuchen gebacken und einige Stücke, in Alufolie verpackt, am Mann.

So wie sich die Richtung der Route im weiteren Verlauf allmählich im Uhrzeigersinn von West über Nordwest nach Norden verlagert, dreht auch der Wind immer weiter von Süden nach Westen. Statt mit nur ansatzweisem Rückenwind plagen wir uns also weiter mit Seiten- oder Gegenwind. Auch regnet es weiterhin, wenn auch nicht mehr so stark wie zuvor.

Wir sind weiterhin nur zu dritt unterwegs. An der Kontrolle hat sich kurz ein Liegeradfahrer angeschlossen, der ist aber schon am Ortsausgang von Nederweet nicht mehr zu sehen. Die Route führt jetzt über ruhige Nebenstrassen Richtung Someren-Heide und weiter nach Lierop. Der GPS-Track weist uns den Weg. In Bereich Nuenen kommt an einer Einmündung ein Trupp Radfahrer von rechts, fährt für eine kurze Zeit rund 100 m hinter uns und ist plötzlich wieder verschwunden. Ich vermute, dass mein Track hier nicht der aktuellen Route entspricht, lasse mich dadurch aber nicht irritieren und folge konsequent der GPS-Vorgabe. Wir haben jetzt rund die Hälfte der Strecke zurückgelegt und das Wetter bessert sich zusehends. Erstens regnet es nicht mehr, was auch bis zum Ende der Tour so bleiben wird, zweitens lässt der Wind deutlich nach. Aber das ist nur halbwegs erfreulich, da wir allmählich in östliche Richtung einschwenken und gerne kräftigen Rückwind genießen würden.

Gelegentlich stoßen wir auf kleinere Gruppen, die an Einmündungen stehen und sich per Wegebeschreibung orientieren, verlieren diese aber schnell wieder, da wir schneller unterwegs sind. Wo immer möglich, nutzen wir die recht breiten Radwege, obwohl diese für Rennradler eher suboptimal sind. Oftmals nämlich gepflastert und teilweise mit Baumwurzeln unterwandert. Wo keine Radwege angelegt sind, weisen Strassen höherer Ordnung einen für Radfahrer mit Streifen markierten, ausreichend breiten Bereich auf, der meist noch dunkelrot gefärbt ist.

Vor dem Ort Deurne sind wir ein längeres Stück zu fünft unterwegs. Einer der Kollegen fährt ebenfalls mit einem GPS-Gerät und wir fachsimpeln über die Technik. Dabei bin ich so vertieft, dass ich die Trackvorgabe auf dem Geko eine zeitlang missachte und dann erstaunt feststelle, dass wir abseits meines Tracks unterwegs sind. Gemäss Track meines Mitfahrers, der angeblich aktuell sein soll, sind wir aber auf der Route. Entweder liegt hier eine Streckenänderung vor oder Hermann ist im letzten Jahr vom Weg abgekommen. Nach Deurne folgt ein langer, gerade Abschnitt. Mit leichter Rückenwind-Unterstützung rollt es jetzt richtig gut. Bei 33 - 35 km/h kreiseln wir durch. Allerdings nur kurz, denn es ist wieder ein Schlauchdefekt zu vermelden. Diesmal hat es mein Vorderrad erwischt.

Die Reparaturpause nutze ich auch zum Wechseln der zwei AAA-Akkus am GPS-Gerät. Als wir wieder Fahrt aufnehmen, kommt gerade eine Gruppe vorbei, in der sich auch @bergfloh befindet. Wir sind zwar immer noch abseits meines Tracks, bis nach America, zur zweiten Kontrolle, sind es aber nur 4 Kilometer. Das Wetter hat sich weiter deutlich gebessert. Mit 8° C zwar weiterhin recht kühl, am Himmel zeigen sich aber schon viele blaue Lücken. @frankyjogger klagt gelegentlich über leichte Rückenbeschwerden, sonst geht es uns gut. Bei mir ist das nicht verwunderlich. Während die beiden im Winter max. Touren bis 100 km unternommen haben, stehen bei mir bereits einige deutlich längere Ausfahrten zu Buche. Allerdings bin ich auch der einzige von uns dreien, der in diesem Jahr Distanzen jenseits der 300 km auf dem Plan stehen hat.

In America angekommen, zeigt der Tacho 147,4 km, es ist 16:45 Uhr. Laut Plan sind wir bei 144,6 km, Kontrollschluss ist um 18:38 Uhr. Den obligatorischen Kontrollstempel holen wir uns in einem Lebensmittelladen, in dem wir uns auch mit Wasser und Apfelsaft zum Auffüllen der Trinkflaschen versorgen. Die Gruppe umfasst vielleicht ein Dutzend Radler. Kurz vor Weiterfahrt trifft eine weitere größere Gruppe ein. Keine Ahnung, wo die alle herkommen, auf der Strecke haben wir sie jedenfalls nicht überholt.

Bis nach Wachtendonk sind es noch mehr als 50 km und es ist klar, dass wir das nicht im Hellen schaffen. Dummerweise habe ich auf meine Stirnlampe verzichtet. Eine optische Kontrolle der Trackvorgabe wird bei Dunkelheit kaum noch möglich sein und auch ein Abgleich über die Wegebeschreibung wird mühsam werden, da diese in den Lichtkegel der Mirage gebracht werden muss. Die beiden Franks sind lichttechnisch noch schlechter ausgestattet, haben nämlich beide auf eine Frontbeleuchtung verzichtet. Wenigstens sind funktionstüchtige Rücklichter montiert. Um nicht weiter Zeit zu verlieren, und das verbleibende Tageslicht optimal zu nutzen, machen wir uns daher zügig und vor Aufbruch der Gruppe zusammen mit einem weiteren Fahrer wieder auf den Weg.

Bis nach Well, zur 3. Kontrolle, sind es nur knapp 20 km. Das letzte Stück nach America verlief in östliche Richtung. Jetzt geht es nach Nordost, Well ist dann fast der nördlichste Punkt der Route bevor es Richtung Wachtendonk südöstlich weiter geht. Seit dem Akku-Wechsel bockt das GPS-Gerät. Bei Erschütterungen, zum Beispiel Bodenwellen, schaltet sich der Geko aus. Vermutlich ist einer der Akkus baulich etwas zu kurz geraten und verursacht Kontaktschwierigkeiten. Ich muss das Gerät daher öfter neu ein- und auf die Trackdarstellung umschalten. Mit den klobigen Handschuhen ist das bei den zierlichen Tasten gar nicht so einfach.

Bis Well benötigen wir keine 50 Minuten. Bevor es in den Ort geht, frage ich an einer BP-Tankstelle nach einer Stempelmöglichkeit. Und siehe da, wir liegen genau richtig. Laut Aussage des Diensthabenden gibt es nur an dieser Tankstelle einen Kontrollstempel. Es ist 17:50 Uhr (Kontrollschluss: 19:58 Uhr) und nach Tacho haben wir 167 km (laut Plan 164,4 km) zurückgelegt.

Im "Wellsche Meer", knapp hinter Well und kurz vor Erreichen der Grenze weichen wir vom Track ab. @frankyjogger hat seine Pfadfinder-Ader entdeckt und leitet uns jetzt gemäß der Wegebeschreibung. Wir passieren Twisteden und Lülligen. Es dämmert bereits stark. Aber uns war ja schon seit geraumer Zeit klar, dass noch etliche Kilometer in der Dunkelheit zu fahren sind. Unser 4. Mann hat auch nur ein Positionslicht am Rad und so bin ich der einzige, der mit vernünftiger Beleuchtung ausgerüstet ist. Aber da müssen die anderen jetzt durch. Dieses Brevet dient ja auch dazu, Schwachstellen aufzudecken, die dann zukünftig abgestellt werden. Zum Glück spendet der Vollmond etwas Licht und die Strassen sind überwiegend trocken, so dass mein Scheinwerferlicht nicht unnötig absorbiert wird.

Vor Straelen taucht vor uns eine Gruppe auf. Es sind Fahrer, die in America später als wir losgefahren sind, aber eine kürzere Route genommen haben. Die Jungs sind aber dermaßen langsam unterwegs, dass wir vorne raus fahren. Ab Straelen übernimmt @fwo das Kommando, das hier ist wieder sein Terrain. Um 19:50 Uhr, nach Brutto 10:51 und Netto 8:55 Std:Min erreichen wir die letzte Kontrolle und damit das Ziel in Wachtendonk. Nach Tacho habe ich 207 km zurückgelegt. Auf Grund einiger Umwege dürfte die Original-Strecke schätzungsweise 200 km aufweisen.

Nach Verstauen des Rades und der verdienten Dusche sitzen wir mit einigen Leuten noch zusammen. Es gibt leckere Gulaschsuppe, Kuchen und diverse Getränke. Auch vor dem Start wurde schon mächtig aufgetischt. Im Gegensatz zu einer RTF, wo nur auf der Strecke verpflegt wird (im Zielbereich ist das dann kostenpflichtig), ist dies bei Brevets offensichtlich genau umgekehrt. Schwerpunkt der Gespräche sind natürlich die heutigen Wetterbedingungen und das große Ziel des Jahres, P-B-P. Die erste Gruppe soll übrigens bereits um 17:15 Uhr im Ziel gewesen sein, das wäre angesichts der Bedingungen schon recht schnell. Als ich mich 21:15 Uhr auf den Heimweg mache, sind aber immer noch einige unterwegs.

Freigabe: 09.03.07, letzte Änderung: 25.09.12
zuletzt gelesen: 10.11.17, 19:38 Uhr, Anzahl Zugriffe: 2208