Berichte -> 600 km Brevet Brühl 2007

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Veranstaltungstag: Sa, 26.05.07
Veranstaltungsort: Brühl
Distanz in km offiziell / lt. Aufzeichnung: 623 / 627
Höhenmeter offiziell / lt. Aufzeichnung: - / 5685
HP des Veranstalters: http://koeln.randonneure-deutschland.de/index.php

Sa, 20:30 Uhr: Ich befinde mich auf dem Parkplatz hinter der Turnhalle in Brühl, hole mein Rad aus dem Kofferraum und ... es beginnt von oben zu tröpfeln. Den ganzen Tag war es trocken, aber es war klar, dass es gemäß Wettervorhersage so nicht bleiben würde. Während ich das Rad zusammensetze und die letzten Vorbereitungen treffe, hört der leichte Regen aber wieder auf.

Sa, 21:00 Uhr: Rainer, der Brevetausrichter, hat die letzten Instruktionen ausgegeben und die obligatorischen Fotos sind aufgenommen (aber wohl nichts geworden, da bereits zu dunkel). Just als sich die erste Startgruppe (Anfangsbuchstaben der Nachnamen A-H) auf den Weg machen will, bricht wolkenbruchartiger Regen herein und wir verziehen uns alle wieder schleunigst ins Gebäude.

Der Spuk hält allerdings nur wenige Minuten an. Der Himmel zeigt sich zwar weiterhin dunkelgrau und düster, und im Nordosten, also genau in Fahrtrichtung, tobt ein Gewitter, der sintflutartige Regen hat sich aber auf Normalmaß reduziert. Gegen 21:10 Uhr starten die ersten der etwas mehr als 40 Teilnehmer.

Sa, 21:15 Uhr: Wir restlichen 17 Mann machen uns auf den Weg. Wie auch bei den vorherigen Brevets will ich mich auf dem Abschnitt durch Köln in der Nähe von Rainer aufhalten, um Probleme mit der Wegeführung auszuschließen.

 
Streckenübersicht

Dieser 600er wird in Kooperation mit dem 600er-Weserbergland-Brevet ausgetragen, der zeitgleich stattfindet. Die Strecke führt jeweils von einem Startort zum anderen und zurück. Rainer hat den Part bis zur 3. Kontrollstelle in Soest ausgearbeitet, Uwe Krohne, der Ausrichter des Weserbergland-Brevets, den anderen Teil.

 
Höhenprofil

Vor zwei Tagen hat Rainer die Wegebeschreibung per Mail an die bei ihm gemeldeten Teilnehmer gesandt. Klar, dass ich mich mit der Routenführung im Vorfeld auseinandergesetzt und auch wieder einen GPS-Track erstellt habe. Aus diesem lässt sich auch ein Profil ableiten und so ist bekannt, dass uns ein hartes Stück Arbeit erwartet.

 

Bevor in Bensberg nach rund 30 km die ersten kleineren Anstiege zu bewältigen sind, haben wir schon einige Stopps hinter uns. Mal muss jemand eine Pinkelpause einlegen, mal verlässt eine Frontlampe unfreiwillig die Halterung und auch einen Sturz hat es bereits gegeben. Auf unbeleuchteten Passagen sind die Sichtverhältnisse absolut bescheiden. Der nasse Teer reflektiert nur wenig Licht unserer Scheinwerfer, die Regentropfen auf den Brillen tun ihr übriges. Immerhin ist das Gewitter vorbeigezogen und lässt uns unbehelligt.

Wie schön öfter in letzter Zeit fallen mir die ersten Höhenmeter schwer und ich kurbel am Ende der Gruppe. Der Regen fällt nur noch spärlich und ab Obersteeg, nach rund 40 km, ist es von oben trocken. Kurz darauf nähert sich von hinten ein Fahrer und grüßt: "Hallo Axel". Ich staune nicht schlecht. Es ist Siggi, der vor mir gestartet war, und den ich schon etliche Kilometer weiter vermutet habe. Er hatte bereits einen Plattfuss und in der Dunkelheit länger für die Reparatur benötigt. Er verweilt allerdings nicht lange bei mir. Beim längeren Anstieg in Richtung Schmitzhöhe fällt die Gruppe auseinander und Siggi fährt mit Tom vorne heraus. Als im oberen Bereich erneut von einigen ein Halt eingelegt werden muss, beschließe ich weiterzufahren. Hinter Siggi und Tom ist noch eine Dreiergruppe, die zwar schon einige hundert Meter Vorsprung hat, die ich bis Lindlar (km 51) aber einhole.

Bisher habe ich auf den Garmin Geko, mein GPS-Gerät, und die Wegebeschreibung verzichten können. Ich habe mich da auf Rainer bzw. die vorausfahrende Gruppe, die stets in Sichtweite war, verlassen. Und auch für die nächsten knapp 70 km werde ich die Teile nicht benötigen. Von Lindlar bis Affeln (km 117) kenne ich mich aus.

Neben mir besteht unsere neue Vierergruppe aus Andreas, einem Liegeradler, sowie Stefan und Uwe, beide aus Darmstadt. Alle drei sind auch schon die anderen Brevets in Brühl gefahren. Wir kennen uns vom Sehen, haben bisher aber keinen großartigen Kontakt zueinander gehabt.

Kurz hinter Lindlar überholen wir einen Pulk Fahrer der vor uns gestarteten Gruppe. Bis zur Kontrolle bleibt das Terrain profiliert. Wir fahren halbwegs zügig. Viel schneller ginge bei mir aber auch nicht.

So, 0:49 Uhr (K1 Meinerzhagen, km 79, Jäger-Tankstelle): Wir erreichen die 1. Kontrolle. Und zwar viel später, als im Vorfeld erwartet. Dies liegt zum einen an dem verspäteten Start und den vielen Pausen im ersten Drittel bis hierher. Andererseits muss ich erkennen, dass sich in der Nacht und dann vor allem auf feuchten Strassen, bei weitem nicht so flott fahren lässt wie erhofft. Besonders auf Gefällstrecken und in Kurven, deren Verlauf nur unzureichend ausgeleuchtet wird, ist erhöhte Vorsicht geboten. Dies wirkt sich unweigerlich auf den Schnitt aus.

 
K1: Rainer und Gefolge

Direkt vor der Kontrolle ist ein kurzes Wegestück zweimal zu befahren. Wir begegnen hier dem Rest der Fahrer, die vor uns gestartet sind. Auf dem Weg nach Brühl war ich am frühen Abend schon mal hier an der Kontrollstelle zum Auftanken des Wagens und habe da vorsorglich angekündigt, dass sich in der Nacht Horden von Radfahrern über die Tankstelle hermachen würden. Die Dame an der Kasse schaute da nicht sehr glücklich. Offenbar hat sie sich zwischenzeitlich damit aber arrangiert, oder die bereits abgefertigten radelnden Kollegen haben genügend umgesetzt, denn nun ist sie doch recht freundlich. Trotzdem währt unser Aufenthalt nur eine Viertelstunde. Als wir die Kontrolle verlassen, erreicht Rainer mit einem größeren Trupp das Gelände.

 

Auch nach der Kontrolle geht es zunächst reichlich profiliert weiter. Irgendwie fühle ich mich nicht gut. Bergauf hänge ich den anderen weiter hinterher. Müdigkeit ist kein Thema, aber ich habe leichte Kopfschmerzen. Nach der Fürwiggetalsperre, die wir beim 300er in Gegenrichtung passiert haben, werfe ich daher eine Aspirin ein. Entlang der Oestertalsperre bis Plettenberg geht es für ein längeres Stück leicht bergab. In Plettenberg trennt sich unsere Gruppe kurzzeitig, da ich vorne fahrend nicht der offiziellen Route links ab folge, sondern den Weg geradeaus nehme. Da habe ich im Vorfeld den Streckenplan wohl falsch interpretiert. Das ist aber kein großes Problem, da ich wenige Kilometer später wieder auf dem richtigen Weg bin. Von meiner Gruppe aber keine Spur. Sind die eventuell schon durch? Ich warte rund 2 Minuten, fahre dann aber weiter als niemand kommt.

Es folgt der harte Anstieg von Plettenberg-Eiringhausen auf der L697 in Richtung Affeln. Auf 3,3 km sind 260 hm zu überwinden, im Schnitt fast 8%. Nach einem Drittel des Aufstiegs lege ich eine kurze Pause ein und kleide mich um. Das Wetter hat sich stabilisiert, am Himmel sind sogar schon Sterne zu sehen. Regen ist also nicht zu erwarten. Mit 14° C ist es auch nicht zu kalt. Statt der Regenjacke ziehe ich eine Weste übers Trikot und stülpe Ärmlinge über. Weiter geht es und kurz vor der Kuppe mache ich weiße Punkte im Spiegel aus. Die Jungs aus meiner Gruppe sind wieder da. Das Ganze hat deshalb so lange gedauert, da sie längere Zeit auf mich gewartet haben, in der Annahme ich würde umkehren. Sorry Leute!

In Affeln wird es Zeit, den Geko zu aktivieren. Bis zur nächsten Kontrolle in Arnsberg-Neheim bleibt es schön wellig. In Mellen gibt es kurzfristig eine Unsicherheit über den weiteren Streckenverlauf. Andreas fährt weiterhin streng nach Karte, gemäß der wir hier links Richtung Beckum folgen sollen. Allerdings gibt es kein Hinweisschild, das nach Beckum weist. Zum Glück sind noch, oder schon wieder, einige Einheimische unterwegs, die den korrekten Weg meines Track bestätigen.

So, 04:10 Uhr (K2 Neheim, 144 km, Shell-Tankstelle): An K2 sind wir nicht die einzigen. Auch Siggi, Tom und etliche andere treffen wir hier, die sich einige Bonusmeilen eingehandelt haben.

 
K2: Markus, gestartet in Hess. Oldendorf

Und plötzlich großes "Hallo". Aus der Gegenrichtung trifft der erste Pulk ein. Es gibt ein kurzes Wiedersehen mit meinen Mitstreitern des 300er-Weserbergland-Brevet vom 06.04.

Die Jungs haben bereits 170 km abgespult, also fast 30 mehr als wir. Waren die so schnell? Oder wir so langsam? Oder liegt es am Streckenprofil? Wahrscheinlich sind alle Punkte zutreffend.

Der Tankstellenpächter bzw. einer seiner Angestellten fertigt uns/unsere Kontrollkarten über den Nachtschalter ab, lässt also niemanden hinein. So bleiben wir unversorgt, was aber nicht allzu tragisch ist, bis zur nächsten Kontrolle in Soest sind es nur 25 km.

 

Als wir weiterfahren, sind wir zu sechst. Andreas fehlt, dafür sind Siggi, Tom und ein weiterer Fahrer in der Gruppe. Klar, dass es in der Konstellation im Schnellzug-Tempo weitergeht. Zunächst flach, dann leicht ansteigend bis zum Möhnesee, wird reichlich Tempo gebolzt. Anfangs spiele ich noch mit, klinke mich in Delecke aber aus. Auch Stefan ist das Tempo zu hoch. Mittlerweile zwitschern die ersten Vöglein und im Osten wird es allmählich heller. Auf der Anfahrt zur 3. Kontrolle, der Autobahnraststätte Soester Boerde, verpassen wir einen Abzweig und steuern zunächst die nördliche Raststätte an. Der Fehler ist aber schnell erkannt. Hier herrscht tote Hose, zudem sind an der Raststätte auf der anderen Autobahnseite Räder erkennbar.

So, 05:22 Uhr (K3 Soest, km 169, Autobahn-Raststätte Soester Boerde Süd): Wir betreten die Raststätte, wo sich noch etliche weitere Brühl-Fahrer befinden. Das Verpflegungsangebot ist eher mau und preislich reichlich überzogen. Stefan, Uwe und ich beschließen daher, zunächst weiterzufahren und unterwegs eine Tankstelle aufzusuchen. Allerdings dauert es eine geraume Zeit bis wir endlich die Stempel erhalten, der Herr an der Kasse hat viel zu tun und dabei die Ruhe weg.

Hinter Soest kommen wir in flaches Gelände. In Waldliesborn (km 196) herrscht an einer Aral-Tankstelle gegen 6:45 Uhr schon geschäftiges Treiben. Hier werden die Flaschen gefüllt, danach geht es zügig weiter. Die Stimmung in der Gruppe ist gut, passend zum Wetter. Es ist trocken und nur mäßig windig. Die Nacht haben wir gut überstanden, von Müdigkeit ist nichts zu spüren. Uwe hat gerade sein Hoch und setzt sich für eine längere Zeit an die Spitze. In Schloß Holte (km 232) besorge ich mir in einer Bäckerei einige Rosinenbrötchen. Eines verzehre ich sofort, die anderen wandern als Reserve in die Lenkertasche.

Nach Überqueren der A33 kommt endlich Abwechslung in die stupide Gurkerei. Nach gut 70 flachen Kilometern stellen sich die ersten Hügelchen in den Weg. Hinter Helpup (der Ort heißt wirklich so) folgt noch mal ein flacher Part, aber spätestens ab Kirchheide, kurz vor Beginn der von Uwe Krohne ausgearbeiteten Schleife, die in Talle (km 262) startet/endet und entgegen des Uhrzeigersinn befahren wird, geht es wieder heftig zur Sache. Mir tun die Anstiege richtig gut. Es ist, als wenn ich aus einer Lethargie erwache. Bin ich die letzten Stunden nur mitgerollt, kann ich jetzt zunehmend in den Wind. Zudem stelle ich im Wiegetritt fest, dass das Knarzen an meinem Rad, welches seit einiger Zeit nervt, ursächlich nicht aus dem Tretlagerbereich kommt, sondern wohl an der Sattelstütze liegt.

10:43 Uhr (K4 Rinteln, 286 km, Esso-Tankstelle): Den Zwischenstopp an der Kontrolle nutze ich zum Schmieren der Stütze mittels der Reste aus einem Motoröl-Kanister. Das wirkt, ab sofort gibt die Stütze Ruhe.

 
km 297: zwischen Rott und Friedrichswald

Kurz vor 11 Uhr geht es weiter. Bis zur Wende in Großenwieden sind es zwar nur noch 25 km, aber die enthalten noch einige Höhenmeter. Der Eintrag in der Wegebeschreibung bei km 293 lautet "in Rott über Kuppe .. (letzte böse Steigung)". Die ist in der Tat heftig, aber ich bin jetzt gut drauf und kann die auch mit meiner Minimal-Übersetzung 34/23 problemlos meistern.

Die letzten Kilometer bis zur Weser sind flach und wir geben noch mal Gas. An K4 habe ich mir zum Ziel gesetzt, spätestens Punkt 12 Uhr die Kontrolle 5, die quasi die Hälfte der Strecke markiert, zu erreichen. Das wären dann brutto 15 Stunden, wenn man von einer normalen Startzeit von 21 Uhr ausgeht. Eine Hochrechnung auf 30 Stunden für die Gesamtdistanz verbietet sich aber. Nach Wettervorhersage werden wir auf dem Rückweg Gegenwind haben. Außerdem ist fraglich, wie die zweite Nacht überstanden wird.

 

So, 12:03 Uhr (K5 Großenwieden, 312 km, Weserfähre): 12 Uhr klappt nicht ganz. Wir sind 3 Minuten zu spät und die Fähre liegt am anderen Ufer.

Mittagspause !
K5: Weserfähre in Großenwieden

Unser Blick fällt zunächst auf die Hinweistafel am Wegerand. Und was müssen wir da lesen? Mittagspause von 12 - 13 Uhr! Als hätte ich es mit meiner 12 Uhr-Marke geahnt. Tatsächlich ist drüben niemand zu sehen. Auf mein Pfeifen und Winken tut sich auf der anderen Seite aber doch etwas. Der Fährmann tritt aus einem naheliegendem Gebäude und steuert den Kahn zu uns hinüber. Wir bedanken uns artig und brauchen für die Überfahrt noch nicht einmal zu zahlen. Dies hat bereits der Brevetausrichter im Vorfeld erledigt.

Auf der anderen Weserseite steht eine Sitzgruppe einladend im Schatten. Wir gönnen uns eine kurze Rast. Uwe spendiert eine Tafel Schokolade, die redlich geteilt wird. Das Wetter hat sich wesentlich besser entwickelt als befürchtet. Seit den 1 1/2 Std. Regen zu Beginn der Tour ist es trocken. Und mit Tagesanbruch scheint die Sonne fast permanent, mittlerweile ist es ist über 20° C und wir haben uns schon vor längerer Zeit von Westen, Knie- und Ärmlingen befreit. Ärgerlich ist allerdings, dass ich auf Grund des erwarteten schlechten Wetters auf das Mitführen einer Sonnenbrille verzichtet habe und auch am Tage die Brille mit Klarglas trage, die ich sonst nur in der Nacht nutze.

Gegen 12:30 Uhr sitzen wir wieder auf den Rädern. Der Abschnitt bis zur nächsten Kontrolle in Uffeln ist mir bekannt, habe ich ihn doch schon beim 300er-Weserbergland-Brevet identisch befahren. Die rund 28 km werden weitgehend flach sein. Es geht jetzt schnurstracks in westliche Richtung und genau dort sieht das Wetter gar nicht mehr so einladend aus.

 
leichter Nieselregen ;-)
km 326: Uwe, Stefan

Kurz vor Eisbergen, 15 km nach der Weserquerung, öffnet der Himmel die Schleusen. Wir werden kurz geduscht, finden zum Glück aber schnell einen Unterstand, ein kleines aber für uns ausreichendes Wartehäuschen an einer Bushaltestelle.

Eine Viertelstunde trommelt der Regen auf die Strasse, dann hat es sich ausgeschüttet. Es ist deutlich kühler geworden und um die Kälte aus den nassen Klamotten zu vertreiben, geben wir auf den knapp 13 km bis zur Kontrolle richtig Zunder.

 

So, 13:45 Uhr (K6 Uffeln, 339 km, Aral-Tankstelle): 20 Minuten verweilen wir an der Kontrolle. Ich genehmige mir ein Käsebrötchen und fülle eine der Trinkflaschen vorsorglich mit Cola. Ich bin zwar hellwach, aber irgendwann werden die Auswirkungen der letzten durchfahrenen Nacht spürbar sein. Ein Koffeinschub kommt dann möglicherweise gerade recht. Als wir die Kontrolle verlassen, erreicht diese Peter F. Er ist alleine unterwegs. Wir überlegen kurz, ob wir warten sollen, entscheiden uns aber doch weiterzufahren. Unsere Pause war schon lange genug und wir wollen nicht noch mehr Zeit verlieren. Seit Soest (km 168) und bis Soest (km 449) ist dies übrigens das einzige Mal, dass wir einen anderen Brevet-Teilnehmer zu Gesicht bekommen.

In Uffeln überqueren wir die Weser, folgen dieser ein kurzes Stück in östlicher Richtung, verlassen dann aber die B514 und schwenken in südliche Richtung ein. Auf dem restlichen Teil der Schleife bis Talle (km 350), wo wir dann auf den vom Hinweg bekannten Streckenabschnitt stoßen, sind wieder einige Höhenmeter zu überwinden. Hatte die Sonne in Uffeln die Oberhand gewonnen und das Thermometer erneut Richtung 20° C getrieben, queren wir jetzt wieder eine Regenfront. Im Gegensatz zum kräftigen Schauer in Eisleben hält sich der Regen aber in Grenzen und die Temperatur bleibt angenehm, wir fahren daher weiter.

Es folgen noch einige Wellen bevor wir den flachen Routenteil erreichen. Gut 70 km Kurbelei ohne großartige Abwechslung liegen nun vor uns. Erschwerend kommt hinzu, dass der Wind mittlerweile stark auffrischt und uns kräftig entgegenbläst. Aber da müssen wir nun durch. In Schloß Holte (km 386) legen wir einen kurzen Stopp ein. Es ist jetzt doch kühler geworden und eine zusätzliche Bekleidungsschicht angebracht. Da es weiterhin regnet, ziehe ich die Regenjacke über. Ging es mir bis hierhin recht gut, falle ich nach der Pause in ein kleines Tief, das Treten fällt mir zunehmend schwerer. Nur gut, dass wir drei in der Gruppe diese typischen Phasen immer zu unterschiedlichen Zeiten haben. So fährt immer der jeweils stärkste Fahrer im Wind und die anderen beiden können Kräfte sparen.

Bis zur nächsten Kontrolle in Soest ist es noch ein Stück. Da man sich dort nur schlecht verpflegen kann, wollen wir dies vorziehen und dazu, wie auf dem Hinweg, die Aral-Tankstelle in Waldliesborn aufsuchen. Die Kilometer bis dahin ziehen sich fast endlos. Immerhin lässt der Regen peu à peu nach. Gegen 17:45 Uhr, es ist mittlerweile trocken, kommt die Tankstelle (423 km) in Sicht. Auch hier verweilen wir gut 20 Minuten. Während ich essensseitig für das Brevet ordentlich vorgesorgt habe, ausreichend Riegel, einige Gels und auch insgesamt 6 Schnitten Brot in der Lenkertasche mitführe, versorgen sich Stefan und Uwe fast ausschließlich an den Kontrollen. Bei Uwe könnte man auch meinen er würde einen normalen Marathon bestreiten. Sein Rad ist zwar mit einer Lichtanlage versehen, ansonsten ist aber nur eine normale Satteltasche mit Werkzeug montiert. Bekleidungstechnisch ist er dadurch natürlich arg eingeschränkt, was er noch zu spüren bekommen wird. Aber dazu später mehr.

19:12 Uhr (K7 Soest, km 453, Autobahn-Raststätte Soester Boerde Süd): Nach einer weiteren Stunde sind wir endlich wieder in Soest und ich freue mich auf das folgende anspruchsvollere Profil. Für viele mag das unverständlich sein, aber flache Passagen und dann noch mit Gegenwind garniert, sind für mich ein Horror.

 
K7: Andreas aus Stuttgart

An der Kontrolle treffen wir auf Andreas, den Liegeradler, der mit uns schon auf dem Hinweg bis eben zu dieser Kontrolle zusammen gefahren ist. Wie er erzählt, hatte er diese am Morgen nach uns verlassen, ist ein längeres Stück mit Siggi und Tom unterwegs gewesen, hat die Gruppe dann aber ziehen lassen. Offensichtlich hat uns der Trupp von mir unbemerkt überholt, als wir den ersten unplanmäßigen Zwischenstopp in Waldliesborn eingelegt haben. Eigentlich will Andreas noch einige Minuten länger verweilen. Wir können ihn aber überreden, sich uns anzuschließen.

Der Wind, der uns in den letzten Stunden geärgert hat, weht nur noch als laues Lüftchen. Der Himmel zeigt sich insgesamt viel freundlicher und wird lediglich von ein paar Wolken bedeckt. Für mich ein Grund, die Regenjacke gegen Weste und Armlinge zu tauschen. Die Knielinge hatte ich schon in Waldliesborn angezogen. Das ist meine Lieblingskombination im Bereich 8 - 16° C, so fühle ich mich auf dem Rad am wohlsten.

 
km 462: Andreas, Uwe, Stefan
meiner einer

Direkt nach der Kontrolle geht es bergan. Ich merke gleich, dass es wieder viel besser läuft. Nur wenige Kilometer und wir sind am Möhnesee. Ich nutze das Panorama für einige Aufnahmen. Ab hier bis zur Kontrolle in Arnsberg-Neheim geht es vorwiegend leicht bergab.

Wir haben jetzt gut 3/4 der Strecke absolviert. Die Stimmung in der Gruppe ist gut. Natürlich sind wir alle nicht mehr frisch, aber keiner hat besondere Beschwerden. Von Müdigkeit ist, zumindest bei mir, immer noch nichts zu spüren. Aber uns ist bewusst, dass noch eine Nacht auf dem Rad vor uns liegt. Zum Glück sind wir bisher von Defekten verschont geblieben, lediglich Andreas klagt über eine sich gelegentlich lockernde Abschlussmutter der Kassette und dadurch entstehendes Spiel der Ritzel.

 

So, 20:41 Uhr (K8 Neheim, km 478, Shell-Tankstelle): Wir erreichen die Kontrolle in Neheim. Von den Weserbergland-Teilnehmern ist uns noch keiner begegnet, obwohl wir die ersten eigentlich schon in Soest erwartet haben. Bis zur nächsten Kontrolle in Meinerzhagen sind es mehr als 60 km. Wir füllen daher die Flaschen und bereiten uns für die Nacht vor, streifen also die Warnwesten über. Nach 22 Minuten Aufenthalt geht es weiter.

Das nächste Stück bis Affeln bleibt mir als das schönste des gesamten Brevet in Erinnerung. Zum einen bin ich jetzt richtig gut drauf. Auf der L544, im Bereich Mellen und auch später nach und hinter Affeln, folgen einige auch steilere Anstiege, die ich mit ziemlichem Druck auf dem Pedal hochstiefel. Mussten meine Mitstreiter auf dem Hinweg an den Passagen auf mich warten, ist der Spieß jetzt umgedreht. Zum anderen ist es mittlerweile fast wolkenlos, die Dämmerung bricht herein, die ersten Sterne funkeln am Firmament. Da uns nur selten Fahrzeuge begegnen oder überholen ist es ungemein still. Lediglich vereinzelte Tierlaute, und das gleichmäßige Surren der etwas trocken gelaufenen Ketten sind zu hören.

 
km 492: Uwe Krohne aus Hess. Oldendorf

Um 21:51 Uhr, am Anstieg von Beckum nach Mellen, kommt uns der erste Fahrer des Gegenbrevets entgegen. Wir stoppen kurz und tauschen uns aus. Es handelt sich um Uwe, den Ausrichter. Er war lange Zeit in einer Gruppe unterwegs, aber dann hat es wohl leichte Unstimmigkeiten bzgl. der Wegeführung gegeben.

Wir sind die ersten der Brühler-Truppe, die er auf dem Rückweg sieht. Er staunt nicht schlecht, als wir ihm erklären, dass schätzungsweise 20 Leute vor uns sind, die ihm eigentlich hätten begegnet sein müssen. Während wir uns unterhalten, nähern sich zwei weitere Weserbergland-Fahrer, die aber nicht halten sondern nur kurz grüßen.

 

Hinter Affeln folgt die Abfahrt nach Plettenberg, bei der innerhalb kurzer Zeit 260 hm vernichtet werden. Erst jetzt wird uns bewusst, was wir da am Morgen auf dem Hinweg geleistet haben. Der weitere Part Richtung Meinerzhagen verläuft recht unspektakulär, obwohl wir uns von rund 200 m ü. NN in Plettenberg bis auf über 500 m ü. NN zunächst sachte, später dann noch in mehreren Wellen, nach oben schrauben.

Unser Tempo ist jetzt insgesamt eher gemächlich. Es ist recht kühl geworden, die Temperatur liegt nur noch bei 10° C. Andreas hat leichte Schwächen und wirkt müde. Er fährt nach wie vor in kurz/kurz. Neben der Regen- habe ich auch noch eine leichte Windjacke in den Taschen verstaut und biete ihm mehrmals eine der beiden an, was er aber dankend ablehnt. Er sei nicht sehr empfindlich und habe außerdem noch einen Fleece-Pullover dabei. Meiner Meinung nach ist ein luftdurchlässiger Pullover zum Radfahren zwar nicht geeignet, aber jedem das Seine. Auch Uwe friert leicht, zum Aufwärmen jagt er an einigen Anstiegen kurzzeitig den Puls hoch. Schön, dass dies noch möglich ist.

Kurz nach Plettenberg sichten wir einen Weserbergland-Fahrer und in Lengelscheid zwei weitere. Letztere sind wirklich spät dran. Während wir nur noch 90 km vor der Brust haben, müssen die beiden mit 220 km und rund 2000 hm noch einen stattlichen Marathon bewältigen. Das wird bei verbleibenden rund 12 1/2 Std. reichlich knapp. Vor allem wenn man bedenkt, dass sie für die bisherigen 400 km schon mehr als 27 Std. benötigt haben. Aber das wissen sie natürlich auch selber. Unser Smalltalk fällt deshalb sehr knapp aus, das Duo hat es eilig.

Ingesamt haben wir auf dem Rückweg nur 6 Teilnehmer des Gegenbrevets gesichtet. Wo sind die anderen der angeblich 26 Starter geblieben? Haben die Schlafpausen abseits des Weges eingelegt? Oder eine andere Route gewählt? Diese entspricht dann aber nicht der offiziell vorgegebenen, denn wir waren mit Sicherheit auf der ausgewiesenen Strecke.

Mo, 0:50 Uhr (K9 Meinerzhagen, km 542, Jäger-Tankstelle): Nach ziemlich genau 24 Stunden erreichen wir die Kontrolle in Meinerzhagen zum zweiten Mal. 24 Std. für 462 km, das ist Brutto nicht mal ein 20er-Schnitt, also keine berauschende Leistung. Allerdings sind etliche Höhenmeter, eine durchfahrene Nacht, längere Gegenwindpassagen und für meinen Geschmack auch zu viele Pausen enthalten. Leider kann ich die Nettozeit nur grob schätzen, da ich die Werte des Sigma-Tacho während der Fahrt nicht notiert habe und der Speedsensor der Polar-Uhr wegen einer zu schwachen Batterie nur sporadisch Daten geliefert hat. Aus der GPS-Aufzeichnung und den HF-Werten kann ich aber auf ungefähr 19 1/2 Std. schließen.

Obwohl schon deutlich nach Mitternacht, ist an der Tankstelle einiges los. Ein ständiges Kommen und Gehen von jüngeren Leuten, die nicht unbedingt tanken, sich aber mit Diversem versorgen, was an Tankstellen heutzutage so angeboten wird. Wir Radler füllen letztmalig die Flaschen, uns stehen ja noch 80 Kilometer bevor. Während sich der Rest der Gruppe für einen heißen Cappuccino entscheidet, suche ich das nahegelegene McDonalds-Restaurant auf, um den Magen mit einem Cheeseburger zu erwärmen. Als ich an die Theke trete, zwar ohne Helm aber unzweifelhaft als Radfahrer erkennbar, werde ich von zwei Teenagern groß bestaunt. Es entwickelt sich der folgende Dialog:

"Sind Sie mit dem Rad da?"
"Ja."
"Irre, und wo geht es noch hin?"
"Nach Köln."
"Jetzt? Boah, das sind ja noch 50 km!"
"70."
"Nee!!!"

Ein Schmunzeln kann ich mir nicht verkneifen, wohl aber eine Aussage, wo ich gerade herkomme.

Ich rolle den kurzen Weg zurück zur Tankstelle. Meine Mitfahrer kommen gerade aus dem angenehm temperierten Innenraum ins Freie, wo es nur noch 7° C sind. Als Stefan an der Tasche nestelt, zittern seine Finger. Bei dem Anblick fange auch ich an zu frösteln und ziehe mir die Windjacke über. Auch Uwe und Andreas, letzterer am Oberkörper immer noch nur mit kurzärmligem Wollhemd bekleidet, sehen nicht gerade sehr glücklich aus. Dem Liegeradler biete ich erneut meine Gore Regenjacke an, er lehnt wieder ab und klingt dabei reichlich unwirsch, zieht sich aber immerhin den Fleece-Pulli über. Dafür greift Uwe zu. Ich befürchte, dass die Nähte reißen, schließlich ist er fast einen Kopf größer als ich. Die Jacke spannt zwar arg, bleibt aber intakt.

Nach insgesamt mehr als 30 Minuten Aufenthalt rollen wir langsam an. Noch in Meinerzhagen beginnt der nächste Anstieg, so dass wir uns wieder etwas warm treten können. Zwischen Marienheide und Kaiserau folgt ein längeres leicht fallendes Stück. Normalerweise kann man hier problemlos mit Tempo 40 und schneller runterrauschen. Jetzt pendelt der Tacho zwischen 30 und 32 km/h, obwohl es windstill ist und praktisch kein Autoverkehr herrscht. Vorne fahrend habe ich trotz doppelter Beleuchtung, neben dem über den Nabendynamo getriebenen Lumotec-Scheinwerfer mit 3 Watt-Birne ist die Ixon eingeschaltet, genug damit zu tun, den idealen Weg auf der phasenweise mit Schlaglöchern übersäten Strasse zu finden.

Kurz hinter Frielingsdorf wartet ein fieser Anstieg auf uns. Stefan meint ernsthaft, dass wären nur 6%. Ich halte entschieden dagegen und taxiere die Steigung auf mindestens 10%, was sich in der späteren Analyse dann auch bewahrheitet. Anders wäre das hohe Tempo in Gegenrichtung auf dem Hinweg auch nicht erklärlich gewesen. Dies war auch in der Nacht gefahrlos möglich, da sich dieser Abschnitt bzgl. der Teerqualität in einwandfreiem Zustand präsentiert und das Stück keine Kurven aufweist. Auch im weiteren Verlauf warten noch einige teilweise heftigere Anstiege mit ähnlichen Steigungsprozenten auf uns, die letzte von Immekeppel nach Moitzfeld auf der K41.

Erstaunlicherweise habe ich immer noch reichlich Druck auf dem Pedal und könnte schneller fahren, zumal allmählich der Morgen dämmert. Die Sicht wird zunehmend besser und auch die Lebensgeister neu erweckt. Aber natürlich bleibt die Gruppe jetzt zusammen. Abgesehen von leichten Knieschmerzen fühle ich mich auch sonst recht gut. Erstmals überhaupt, habe ich vor Beginn der Tour das Sitzpolster der Hose mit Melkfett eingeschmiert. Offensichtlich wirkt sich dies positiv aus. Das negative Feedback vom Popo hält sich in Grenzen. Am Ende des 400er, den ich in identischer Konstellation bestritten habe, also selber Sattel, selbe Hose, waren die Sitzbeschwerden jedenfalls stärker, wenn auch nicht dramatisch.

In Bensberg wird der letzte, nahezu flache Teil des Brevet eingeläutet. Und urplötzlich verspüre ich eine starke Müdigkeit. Für einige wenige Minuten muss ich mehrmals gähnen und die Augen kneifen sich zusammen, danach geht es aber wieder besser. Bisher hat uns der GPS-Track wunderbar geleitet. Ich spiele den Führer und meine 3 Mitfahrer kleben wie selbstverständlich am Hinterrad. Selbst Andreas, der lange Zeit permanent der Streckenplan studiert hat, diesen dazu in der rechten Hand hält, in der Nacht mit einer am linken Handrücken befestigten Lampe beleuchtet und dabei das Liegerad freihändig fährt, verlässt sich mittlerweile ganz auf mich.

In Rath verpassen wir einen Abzweig. Statt umzukehren, fahre ich weiter und versuche über Nebenstrassen wieder auf die richtige Route zu gelangen. Dies gelingt halbwegs. An der nächsten größeren Kreuzung will ich mich auch an Hand des Streckenplans orientieren. Aber irgendetwas passt nicht. Wir sind zwar auf dem Track, können unsere Position im Plan aber nicht ausmachen. Da uns nur die Alternative bleibt dem Track zu folgen, tun wir dies. Für ein kurzes Stück geht es weiter, aber auf einem schmalen Weg stehen wir in einer Baustelle vor einem gesperrten Abzweig. Seltsam! Was ist mit dem Track? Wir befinden uns in einem bewaldeten Bereich. Ich vermute zunächst eine Empfangsstörung, somit eine ungenaue Ortung und fahre testweise ein Stück den Weg weiter lang und kehre dann um. Das GPS-Gerät verhält sich einwandfrei. Wir müssen an dieser Stelle in einen schmalen Waldweg, was aber definitiv nicht möglich ist. Ich erinnere mich, dass ich den Kölner Teil des Tracks vom 300er-Brevet übernommen habe. Laut Wegebeschreibung schien mir der identisch, habe den aber eher grob nach den fettgedruckten Haupteinträgen und nicht Position für Position verglichen. Offensichtlich gibt es doch einen Unterschied oder auch der 300er-Track war nicht ganz korrekt. Seinerzeit habe ich diesen Bereich in einer größeren Gruppe befahren und das GPS-Gerät war ausgeschaltet.

Und wie nun weiter? Wie wir diese Passage auf dem Hinweg befahren sind, hat sich bei dem Geschlängel keiner merken können. Wir wissen aber, dass wir über den Rhein müssen und die Rodenkirchener Brücke kann nicht weit sein. Irgendwie schaffen wir es dahin, verlieren aber massig Zeit. Auch nach Queren des Rhein haben wir Probleme, den richtigen Weg zu finden. Auf den GPS-Track können wir nicht setzen und die Wegebeschreibung ist für uns nicht ganz eindeutig. Wir folgen daher zunächst Hinweisschildern nach Hürth und kommen dann doch auf die richtige Route. Alles in allem dürfte uns das Hin und Her wenigstens 30 Minuten gekostet haben. Ärgerlich, aber nicht schlimm. Das Zeitlimit für das Brevet beträgt 40 Stunden. Zielschluss ist demnach um 13 Uhr. Es ist jetzt 5:30 Uhr und wir haben nur noch wenige Kilometer.

5:49 Uhr (K10 Brühl, km 620, Point-Tankstelle): Da der eigentliche Start-/Zielpunkt, die Turnhalle in Brühl, nur bis 2 Uhr in der Nacht und dann erst wieder ab 9 Uhr geöffnet sein wird, steuern wir für den letzten Stempel die als Alternative ausgewiesene Tankstelle an, verweilen dort aber nicht zu sehr. Auch die letzten Kilometer zur Turnhalle verlaufen unfall- und schadensfrei. Zum Schluss zeigt der Tacho 627 km und 5685 HM. Einschließlich der Rückfahrt zur Turnhalle stehen Brutto genau 33:00 (Std:Min) und Netto 27:10 (Std:Min) auf der Uhr.

Die Turnhalle ist wie erwartet verschlossen. So besteht leider nirgends die Möglichkeit zum Duschen oder wenigstens zum Händewaschen. Nach Einladen des Rades ins Auto und gegenseitigem Glückwunsch und Abschiednehmen von den jeweils anderen Fahrern der Gruppe, machen wir uns nicht gerade wohlriechend auf dem Heimweg.

 
nach 627 km und rund 46 Std. ohne Schlaf: leicht gezeichnet ;-)

Jetzt, wo alles vorbei ist, registriere ich eine innere Zufriedenheit, allerdings überkommt mich auch eine bleierne Müdigkeit. Ich habe zwar nur noch eine Stunde für den Heimweg, aber auf der Autobahn brennen die Augen zu stark, so dass ich sicherheitshalber einen Parkplatz ansteuere. Hier falle ich in einen 20-minütigen Schlaf, werde dann aber vom Lärm einer Reisegruppe, deren Bus in der Nähe gehalten hat, wieder wach. Logischerweise bin ich weiterhin müde, aber immerhin sehe ich mich im Stande, gefahrlos weiterzufahren. Zu Hause angekommen wird nur noch geduscht, dann liege ich auch sofort im Bett.

 

Statistik

K Ort Zeiten Gesamtstrecke Teilstück
An Ab Pause km hm Std:Min km/h % hm km hm Std:Min km/h % hm
Start Brühl   21:15                      
K1 Meinerzhagen 0:49 1:03 0:14 79 870 3:34 22,23 1,10% 79 870 3:34 22,23 1,10%
K2 Neheim 4:10 4:21 0:11 144 1741 6:55 20,75 1,21% 64 871 3:07 20,60 1,36%
K3 Soest 5:22 5:39 0:17 169 1937 8:07 20,81 1,15% 25 196 1:01 24,98 0,77%
K4 Rinteln 10:43 10:58 0:15 286 2698 13:28 21,24 0,94% 117 761 5:04 23,11 0,65%
K5 Großenwieden 12:03 12:28 0:25 312 3005 14:48 21,06 0,96% 26 307 1:05 23,72 1,19%
K6 Uffeln 13:45 14:05 0:20 339 3073 16:30 20,55 0,91% 27 68 1:17 21,35 0,25%
K7 Soest 19:12 19:33 0:21 453 3673 21:57 20,62 0,81% 113 600 5:07 22,16 0,53%
K8 Neheim 20:41 21:03 0:22 478 3874 23:26 20,40 0,81% 26 201 1:08 22,50 0,79%
K9 Meinerzhagen 0:50 1:22 0:32 542 4994 27:35 19,64 0,92% 64 1120 3:47 16,86 1,76%
K10 Brühl 5:49     620 5685 32:34 19,02 0,92% 78 691 4:27 17,46 0,89%
∑ Pausen     2:57 (nur an Kontrollen)

Fazit

Das Brevet habe ich mental und körperlich relativ problemlos überstanden. Das Material hat gehalten, es gab keine Defekte und keinen Sturz. Nicht einmal eine Reifenpanne war zu beklagen, auch nicht bei den Mitfahrern. Abgesehen von der unnötigen Routensucherei in Köln haben wir dank des GPS-Track die korrekte Strecke ohne Aufwand und Umwege einhalten können. Zwei Nächte zu durchfahren ist mir offensichtlich möglich, bei P-B-P sollte ich demnach ohne Schlafpause wenigstens bis zum Wendepunkt in Brest, möglicherweise sogar noch bis zur folgenden Kontrolle gelangen. Die von Rainer und Uwe ausgearbeitete Strecke für dieses Brevet war hart, aber in Hinblick auf P-B-P sicherlich angemessen, denn dort sind gut 10000 HM zu bewältigen.

Natürlich ist P-B-P noch einmal ein ganz anderes Kaliber. Respekt ist angesagt, aber keine Angst. Ich habe mich daher auch forsch für die 80 Stunden-Gruppe angemeldet. Mal abwarten, was das gibt!

Die komplette Fotoserie (26 Bilder) ist in einem Fotoalbum des RR-Forums eingestellt.

Nachtrag 22.08.07: An P-B-P 2007 habe ich nicht teilgenommen.

Freigabe: 18.06.07, letzte Änderung: 12.03.14
zuletzt gelesen: 20.11.17, 00:27 Uhr, Anzahl Zugriffe: 3677